Dmitrij Schochin - Russischer Ankläger im Chodorkowski-Prozess

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Erneut trifft Chodorkowski in seinem Prozess auf den Mann, der ihn schon 2005 ins Gefägnis gebracht hat: Dmitrij Schochin ist der leitende Staatsanwalt des aktuellen Verfahrens gegen den ehemaligen Yukos-Vorsitzenden. Er hatte im letzten Prozess bereits zehn Jahre gefordert und fiel auch anderweitig auf. Die Süddeutsche Zeitung berichtet.

 

 

Michail-Chodorkwoski7.jpgMuss Michail Chodorkowskij Angst haben vor einem Mann, der mit dem Orden der Ehre ausgezeichnet wurde? Er muss wohl, denn nach der Volksweisheit, dass man sich im Leben stets zweimal trifft, steht der frühere Yukos-Vorsitzende nun erneut Dmitrij Schochin gegenüber. Für den Oligarchen von einst verheißt das nichts Gutes. Schochin ist der leitende Staatsanwalt im zweiten Chodorkowskij-Verfahren, und er war dies auch im ersten. 2005 wurde der einst reichste Mann Russlands zu neun Jahren Gefängnis verurteilt, die später um ein Jahr verkürzt wurden. Schochin aber hatte sogar zehn Jahre Lagerhaft gefordert, weil Chodorkowskij „eine erhöhte soziale Gefahr" darstelle. Vom jungdynamischen Äußeren des 38-jährigen Juristen mit der Föhnfrisur sollte sich niemand täuschen lassen. Beim ersten Chodorkowskij-Prozess hat Schochin bewiesen, zu welch zermürbend langen Auftritten er fähig ist.

 

Zwölf Stunden, verteilt auf zwei Tage, dauerte es, bis er die Anklageschrift vorgelesen hatte. Monoton sprach er damals, in einschläferndem Rhythmus und mit vielen kleinen Pausen. Ein Dokument aus der Klageschrift las er zur Empörung Chodorkowskijs sogar gleich viermal hintereinander vor.

Nach Ansicht der Verteidigung wollte er damit den Prozess noch weiter in die Länge ziehen. Einmal unterlief Schochin ein Lapsus, der entweder eine klassische Freud'sche Fehlleistung war oder eine Boshaftigkeit. Es war kurz nach Chodorkowskijs Festnahme im Herbst 2003, als er den damaligen Konzernchef in einem Schriftstück „Sidetjel" statt „Swidetjel" nannte, also Häftling statt Zeuge. Wen wundert es da, dass Chodorkowskijs Anwaltsteam jetzt versucht hat, Dmitrij Schochin und auch den Richter vor dem neuen Prozess austauschen zu lassen? Es gelang nicht, Schochin und Chodorkowskij werden einander noch eine Weile erhalten bleiben.

 

Über Schochins Ausbildung, seinen Familienstand, seine Hobbys, ist nichts bekannt. Die Pressestellen des Moskauer Gerichts und der russischen Generalstaatsanwaltschaft gaben dazu keine Auskunft. Und doch ist Schochin seit 2002 schon fast ein alter Bekannter, als er erstmals als staatlicher Ankläger in den russischen Medien auftauchte. Schnell folgten die größeren Fälle, die größeren Namen, und erstmals auch Yukos. Anfang 2004 wurde Wassilij Schachnowskij, der ehemalige Leiter der Moskauer Konzernfiliale, wegen Steuerhinterziehung verurteilt, und Schochin anschließend vom Major zum Oberst befördert. Am Silvestertag desselben Jahres erhielt er vom damaligen Präsidenten Wladimir Putin einen Orden für „seine Dienste bei der Stärkung der Gesetzmäßigkeit und der Rechtsordnung".

 

Eine Garantie gegen Rückschläge war die Prämie für den ehrgeizigen Juristen allerdings nicht. Im Prozess wegen des Mordes an dem früheren Chefredakteur von Forbes Russland, Paul Klebnikow, hielt ein Geschworenengericht die drei angeklagten Tschetschenen für nicht schuldig. Nun drohen Chodorkowskij nach Angaben seiner eigenen Anwälte bis zu 22 weitere Jahre Haft. Der Angeklagte wird bald wissen, was Dmitrij Schochin dazu sagt.

 

(Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 06.03.09)

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