Der Kaukasus-Konflikt hat dem Westen wieder einmal gezeigt, wer in Russland das Sagen hat. Es ist nicht Präsident Medwedjew, sondern Wladimir Putin. Trotzdem stimmen viele Thesen nicht, die in den letzten Wochen verbreitet wurden. Der Abgeordnete der britischen Labour-Partei und frühere Europaminister Großbritanniens, Denis MacShane, kommentiert in der Tageszeitung Die Welt den Mythos Wladimir Putin.
Mythos Nr. 1: Putin ist der große Gewinner
Zweifelsohne hat uns Wladimir Putin gezeigt, wer Herr im Hause ist: nicht Russlands Präsident Dimitri Medwedjew. Putin erhielt von beiden Häusern des russischen Parlaments die ungeteilte Zustimmung zur Invasion in Georgien und partiellen Okkupation des Landes. Aber es ist ihm damit auch gelungen, Europa nach den Jahren der Zwietracht, wie sie George W. Bush gesät hat, wieder zu vereinen. Auf seinem Sondergipfel 2003 war der Europäische Rat über der Irak-Frage tief gespalten. Fünf Jahre später, und die EU-Staats- und -Regierungschefs einigen sich Anfang September auf die ebenso bedachtsam wie entschieden gezogene Linie Präsident Sarkozys, die schon seit den frühesten Tagen der Georgien-Krise von Londons Außenminister Miliband empfohlen worden war. Nicht einmal China, den einstigen Verbündeten, konnte Putin auf seine Seite ziehen. Peking war vielmehr entsetzt, wie Russland sich einfach über in der UN vereinbarte Grenzen hinwegsetzte.