Hat der Mann, dem Steinmeier im Kreml gegenübersaß, in Russland überhaupt etwas zu sagen? Über diese Frage spekuliert man im In- und Ausland eifrig. Jede Äußerung, jeder Auftritt, jede neue Nachricht Putins und Medwedjews werden ganau analysiert.

Das ist also der Neue im Kreml: An einem Ende des Katharinensaals öffnet sich eine weiße Flügeltür und Dmitri Medwedew marschiert heraus. Einige Sekunden später geht am anderen Ende eine weitere Flügeltür auf, durch die Frank-Walter Steinmeier ins Empfangszimmer des gerade angetretenen russischen Präsidenten tritt. Die beiden Politiker gehen ein paar Schritte aufeinander zu. In der Mitte des ovalen, pastellgrünen Raumes, unter einer hohen Kuppel, treffen sie sich, und Medwedew packt mit einem breiten Grinsen die Hand des deutschen Außenministers.
Es ist ein herzlicher Empfang. "Frank, es ist eine große Freude, dich zu sehen", sagt der russische Staatschef. Steinmeier begrüßt seinen Gastgeber, den er schon seit Jahren kennt, etwas steifer: "Herr Präsident", beginnt er seine kurze Ansprache, später wechselt er zu "Herr Medwedew". Das Du zu erwidern wäre ungehörig.