Mit dem Machtantritt Medwedjews steht Russland eine Zeit der Ungewissheit bevor. Putin hat den größeren Einfluss in den oft undurchsichtigen Kreml-Kreise. Ob sich Medwedjew aber auf Dauer seinem Ziehvater unterordnen wird, ist fraglich.

Das Statussymbol wurde zum Risikofaktor: Bislang war der Telefonapparat ohne Wählscheibe mit direkter Verbindung zum Präsidenten für Russlands höchste Politiker ein begehrtes Zeichen ihrer Macht. Doch vor einigen Wochen hat der wuchtige Fernsprecher auf den Schreibtischen der Apparatschiks Zuwachs bekommen - und das bereitet ihnen Kopfschmerzen. Neben dem direkten Draht zu Nochpräsident Wladimir Putin steht jetzt ein Gerät für den Kontakt mit dem künftigen Präsidenten Dmitrij Medwedew, der am Mittwoch im Kreml in einer modernen Krönungszeremonie in das höchste Amt eingeführt wird.
"Ich bin jetzt ständig in der Zwickmühle", berichtet einer der hohen Staatsdiener in Moskau: "Wer von den beiden ist der mächtigere? Wen soll ich bei wichtigen Fragen zuerst anrufen? Ich versuche, Zeit zu schinden, und halte mich kaum noch in Moskau auf, denn wenn ich auf das falsche Pferd setze, kann mich das mein Amt kosten."