Die Kolumnistin Anne Applebaum will nicht recht an den Mythos der "Stabilität Russlands" glauben. Für sie sind die Unklarheiten über die Machtbefugnisse des neuen Präsidenten Medwedjew und eine Wirtschaft, die von den Launen geheimer Kreml-Kreise abhängig ist, ein klares Zeichen für Instabilität.

Am 7. Mai wird Dmitri Medwedjew in sein Amt als Präsident Russlands eingeführt. Er wird den Amtseid ablegen und anschließend von einer präsidialen Wagenkolonne nach Hause geleitet werden, vermutlich zu einer Präsidentendatscha. Aber trotz des offiziellen Pomps weiß niemand, ob Medwedjew die Machtbefugnisse eines russischen Präsidenten auch ausüben wird. Wird er Strohmann sein und die Befehle seines Vorgängers Wladimir Putin entgegennehmen? Oder wird er selbst Befehle geben, Entscheidungen treffen, den Kreml beherrschen?
Obgleich Medwedjew sein Amt in dieser Woche antritt, haben wir immer noch keine Antworten auf diese Fragen - was bei Licht besehen ziemlich beunruhigend ist. In den meisten Demokratien wissen Wähler und Beobachter vielleicht nicht, wer eine Wahl gewinnen wird; sie haben jedoch eine genaue Vorstellung von den Befugnissen und der Verantwortung, die den Sieger erwarten. Doch obwohl Russland manchmal wie eine Demokratie aussieht, ist es keine.