Mit Pauken und Panzern wird sich Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew seinem Volk und der Weltöffentlichkeit in der neuen Rolle präsentieren. Zum ersten Mal seit Ende des Kalten Kriegs rollen am kommenden Freitag bei der Parade aus Anlass des Siegs über den Hitler-Faschismus wieder Panzer und Raketen über den Roten Platz. Medwedjew als neuer Oberkommandierender ist dann gerade zwei Tage im Amt.

Unglücklich“ finden westliche Diplomaten diese Symbolik auch angesichts der steigenden militärischen Spannungen im Kaukasus. Sie zeigt aber, worauf wir uns in den kommenden Monaten einstellen sollten: Der neue Mann an der Spitze Russlands wird noch auf absehbare Zeit als Erbe Wladimir Putins agieren, der in Zukunft als Ministerpräsident enge Tuchfühlung zu ihm halten wird.
Das Land hat praktisch keine Erfahrung mit zwei politisch fast gleichwertigen Machtzentren. Die Periode, in der Boris Jelzin den einflussreichen Jewgenij Primakow als Regierungschef Ende der neunziger Jahre fast wie eine Art Stellvertreter agieren ließ, währte jedenfalls nur wenige Monate. Trotz aller Unsicherheiten bietet der Wechsel an der Staatsspitze aber durchaus Chancen. Derzeit deutet vieles darauf hin, dass Putin seinem Nachfolger mittelfristig die Bühne der Außen- und Sicherheitspolitik überlässt und sich um „innere Probleme“ kümmern will. Und Medwedjew mag zwar der politische Ziehsohn Putins sein, aber er ist nicht sein Klon.