Russische Sicherheitskräfte haben am Dienstag erneut das Moskauer Büro des Ölkonzerns BP durchsucht. Während der Geheimdienst von Spionagevorwürfen spricht, vermuten Experten, dass der Kreml mit der Kampagne versucht, das Joint Venture TNK-BP in russische Hände zu bringen.

Moskau - "Heute Morgen kam ein Dutzend Leute. Einige Mitarbeiter mussten ihre Computer ausschalten, andere mussten das Büro verlassen." Das berichtet ein Vertreter der Energiebranche, der nicht namentlich genannt werden wollte. Zuvor hatten russische Sicherheitskräfte erneut die Niederlassung des Ölkonzerns BP in Moskau durchsucht.
Nach Angaben des britischen Unternehmens war dies bereits die zweite Durchsuchung innerhalb von zwei Monaten. Im März hatten die Behörden sowohl die BP-Niederlassung als auch das russisch-britische Joint-Venture TNK-BP durchsucht.
TNK-BP sieht sich seit kurzem Spionagevorwürfen des russischen Geheimdienstes FSB sowie einer Umweltuntersuchung gegenüber. Beobachter vermuten darin den Beginn einer Kampagne der Regierung in Moskau, um den Konzern in russische Hände zu bringen.
Die Vorgänge erinnern an die Probleme von Royal Dutch Shell mit dessen Sachalin-Projekt vor zwei Jahren. Dieses wird mittlerweile vom russischen Monopolisten Gasprom kontrolliert. In Presseberichten hieß es jüngst, Gasprom wolle für 20 Milliarden Dollar auch die Kontrolle bei TNK-BP übernehmen.
BP versucht nun offenbar, das Schlimmste zu verhindern: Ein Konzernsprecher sagte in Moskau, man arbeite mit den Ermittlern zusammen.