Für-, gegen- oder miteinander? Die Personal- und Machtpolitik der vergangenen Wochen im russischen Kreml kann je nach Lesart ganz unterschiedlich interpretiert werden: Es drohe eine Entmachtung des Präsidenten, sagen die einen, nur so könne Medwedjew vor den Einflüssen der Machteliten geschützt werden, die anderen. Die entscheidende Frage ist, ob die eingeschlagene politische Richtung nur die Handschrift Putins trägt oder ob Präsident und Premier hier gemeinsam an einem Strang ziehen.

Die Tage der Moskauer Ämterrochaden neigen sich dem Ende zu, und die äußeren Konturen des Machtgefüges zwischen Präsident Dmitrij Medwedjew und Ministerpräsident Putin zeichnen sich ab. Alles ging fast geräuschlos ab, scheinbar so reibungslos wie die inszenierte und vorbestimmte Wahl des Präsidenten durch das Volk. Von den Machtkämpfen zwischen den verschiedenen Fraktionen und Seilschaften im und um den Kreml herum, deren Widerschein in den vergangenen Monaten in vielen Ereignissen und Äußerungen aus dem Dunstkreis der Macht erahnt werden konnte, war nichts zu sehen. Putin, Medwedjew oder beide zusammen scheinen alles im Griff zu haben.