Die Zeiten im Energiebereich sind hart, und zwar nicht nur wegen steigender Ölpreise (sogar in Deutschland soll jetzt wieder nach Öl gesucht werden) und der Belastungen, die das Auffüllen des Gastanks mit sich bringt. Vor fast anderthalb Jahren schrieben wir in diesem Blog erstmals über offensichtliche Bemühungen Russlands, ein Erdgaskartell zu gründen; den Anstoß dazu gab die FT mit ihrer Berichterstattung über ein geheimes „Gasfinger“-Memo, das von NATO-Ökonomen verbreitet wurde.
Die Fachleute begegneten der Kartellidee anfangs mit Skepsis: In Anbetracht der Tatsache, dass Erdgas auf regionalen Märkten gehandelt wird, ließen sich die Spotmarktpreise niemals wie bei Öl durch Produktionsquoten manipulieren. Andere wie unser Energie-Blogger Derek Brower halten das Gaskartell für eine massive Drohgebärde, die von den Russen bei anderen Geschäften als Druckmittel eingesetzt wird. Sowohl Gazprom als auch Putin schwanken auf alarmierende Weise zwischen vagen Versprechungen und Leugnung des Kartells, je nachdem, ob sie mit den Ajatollahs oder dem EU-Wettbewerbskommissar reden. Ich habe stets argumentiert, dass sich das Kartell nicht um Preiskontrolle, sondern um die Aufteilung von Märkten und Beschneidung des Wettbewerbs dreht.
Doch ganz gleich, welcher Sichtweise man sich anschließt: Seit Wladimir Putins symbolträchtiger Reise nach Libyen und der Ankündigung im Kommersant, dass die Russen dem Iran einen Satzungsentwurf für eine Gas-OPEC vorlegen wollen, ist das Thema Gaskartell wieder in den Nachrichten.