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Feindbild erwünscht

In einem exzellenten Kommentar hebt der Moskau-Korrespondent der taz, Klaus-Helge Donath, hervor, wie Russland im Zusammenhang mit der Nato-Erweiterung geschickt die EU-Mitgliedsstaaten und die USA gegeneinander ausspielt, um seine Ziele zu erreichen. Donath argumentiert, dass Moskau die Nato nicht wirklich militärisch fürchtet: "Auch wenn das Bündnis näher an die Grenzen Russlands heranrückt - für die Militärs ist die Nato keine ernste militärische Bedrohung. Eher ein Papiertiger, den der Kreml für innenpolitische Zwecke mal zerpflückt, mal in Brand steckt." Da Russland die ehemaligen sowjetischen Republiken Ukraine und Georgien immer noch zu seinem Einflussbereich zählt, wäre ihre Aufnahme in die Nato aber ein Symbol für den Bedeutungsverlust Russlands - für Moskau das eigentlich Ärgernis.

Besonders aufschlussreich sind Donaths Ausführungen über die unterschiedliche Russlandpolitik der EU - namentlich des deutschen Außenministers Steinmeier - und der USA:

Hinter den Kreml-Mauern feixt und freut man sich über Steinmeiers gutgläubiges Appeasement. Deswegen nimmt Moskau die EU und Berlin auch nicht ernst. Konzessionen zu machen, auf den Kontrahenten zuzugehen, ist im russischen Verständnis ein Zeichen von Schwäche und europäischer Verweichlichung. Die Leute im Kreml verstehen sich mit den texanischen Cowboys in der Sprache der Realpolitik besser. Auch wenn Russland von einer "multipolaren Weltordnung" und "Respekt" in der internationalen Arena spricht, so gilt das ausnahmslos für den Respekt anderer Russland gegenüber, nicht umgekehrt.

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