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SERIE: Wer ist Dmitrij Medwedjew? (1)

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In den nächsten Tagen bis zur Präsidentschaftswahl in Russland werden wir Ihnen mehrere Portraits deutscher Medien vorstellen, die den Versuch unternehmen, Russlands zukünftigen Präsidenten Dmitrij Medwedjew zu charakterisieren.

Putins Kronprinz ist der Liebling der Massen

"Rossija, wperjod! - Russland, vorwärts!" Diese Losung schmückte die Wände im Eissportpalast der tatarischen Hauptstadt Kasan. "Vorwärts, Russland!", skandierten die Sprechchöre, als Russlands neuer Hoffnungsträger Dmitri Medwedjew sportlich-elegant die Bühne betrat. Russlands Olympiasieger von morgen erfuhren an diesem Abend von ihrem zukünftigen Präsidenten, dass das Leben auch seine komplizierten Seiten haben kann. "Wir leben in einer globalen Welt", ließ er seine jugendlichen Zuhörer wissen. "Diese Welt ist nicht einfach, und wir müssen auf die globalen Herausforderungen antworten." Medwedjew wusste auch, wie. "Wir müssen stark sein!", rief er aus, denn: "Die Schwachen in dieser Welt werden verprügelt." Womit er einen mehrfach von Kreml-Chef Putin benutzten Slogan aufnahm. Doch er ergänzte ihn mit dem Hinweis, dass auch die Geistlosen Prügel zu gewärtigen hätten. "Deshalb müssen wir klug und modern sein.

"Wozu für den Deep-Purple-Fan Medwedjew auch der Pop gehört. Zum 15-jährigen Jubiläum des Erdgasmonopolisten Gazprom, dessen Aufsichtsratsvorsitzender er noch ist, hatte er dieser Tage seine Lieblingsgruppe nebst Soul-Sängerin Tina Turner nach Moskau einfliegen lassen. In Kasan machte er auf diesen relativ neuen Aspekt im Leben des Landes aufmerksam. "Die Musik, die wir heute in diesem Saal hier hören, durften wir früher nur in den eigenen vier Wänden genießen", rief er seinem 10 000-köpfigen Auditorium zu. Das war in der Mehrzahl viel zu jung, um sich daran zu erinnern, dass gerade diese neue Freiheit eine der Errungenschaften der von der heutigen russischen Führung so verteufelten "Jelzinschen Chaoszeit" war.

Am 2. März, daran zweifelt niemand, wird der 42-jährige Favorit von Kreml-Chef Wladimir Putin im ersten Wahlgang zum russischen Präsidenten gewählt. Medwedjew liegt zurzeit, abhängig vom jeweiligen Meinungsforschungsinstitut, mit Umfragewerten zwischen 68 und 80 Prozent in Führung. Seine Konkurrenten - der Kommunist Gennadi Sjuganow mit 11 bis 16 Prozent, der Nationalist Wladimir Schirinowski mit 9 bis 13,7 Prozent und der vom Kreml geschaffene Pseudo-Demokrat Andrej Bogdanow mit 1 bis 1,3 Prozent - sind chancenlos.

Was erwartet der Wähler von seinem zum neuen Helden ernannten künftigen Präsidenten? In einer Umfrage eines dem Kreml nahestehenden Meinungsforschungsinstituts nannten die Befragten denn auch die Erhöhung des Wohlstandes der Bevölkerung, den Kampf gegen die Armut - die es auch nach acht Jahren Putin noch immer gibt - sowie den Kampf gegen die Inflation als vordringlichste Aufgaben.

Die Wähler trauen Medwedjew zu, dass er am ehesten in der Lage ist, Probleme wie Arbeitslosigkeit (53 Prozent), internationale Beziehungen (54 Prozent), Terrorismus (46 Prozent) und Korruption (45 Prozent) zu lösen. Auch hier landet die Konkurrenz abgeschlagen im einstelligen Bereich.

Für die Festigung demokratischer Rechte und Freiheiten interessierten sich dagegen nur ein bis drei Prozent der Russen. Die russische Bevölkerung ist bereit, im Austausch für ein ruhiges und angenehmes Leben zumindest teilweise auf Demokratie und Meinungsfreiheit zu verzichten. Mehr noch: Es wächst die Zahl derer, die die vom Kreml installierte "souveräne Demokratie", in der es weder eine echte Opposition noch Pressefreiheit gibt, als Bedingung für Wohlstand und eine Erstarkung des Landes ansehen. Gewaltenteilung, ein wichtiges Kennzeichen einer Demokratie, gilt in Russland als schädlich. Das glaubt auch der ursprünglich als "liberal" und "schwach" charakterisierte Medwedjew.

Wenn er das je war, dann hat er sich in jüngster Zeit deutlich verändert, wie die Politpsychologin Jelena Schestopal glaubt. "Sein Blick und seine Reden wurden überzeugender", konstatiert sie. In Blick und Gesten sei auch zu bemerken, dass ihn die ständige Aufsicht Putins zu belasten beginne. "Medwedjew ist nicht der Politiker, der die Rolle des Sitz-Präsidenten oder des Prügelknaben annimmt", schlussfolgert Schestopal unter Anspielung auf die in Moskau kursierende Vermutung, Putin werde auch nach Übernahme des Premierministerpostens de facto der Stärkere bleiben. Die Psychologin glaubt das nicht. Selbst der gehorsamste und loyalste Politiker, einmal in den Präsidentensessel gelangt, werde sehr schnell erfassen, dass er alle Instrumente in der Hand hält, um sich nicht manipulieren zu lassen.

(Die Welt)

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