
Mathematik ist ein hochpolitische Wissenschaft: Von 164 275 Wahlberechtigten in der russischen Teilrepublik Inguschetien haben 161 470 gültige Stimmen abgegeben, davon fielen angeblich 159 496 auf die Kremlpartei "Einiges Russland". Mehr als 90 000 Wähler haben indes schriftlich erklärt, sie hätten aus Protest gegen die örtlichen Machthaber nicht an der Wahl teilgenommen.
Die Behörden in Moskau haben gerechnet und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die inguschetische Hauptstadt Nasran gegen Wählerproteste durch eine "antiterroristische Aktion" wappnen müsse. Man könnte daraus schließen, dass Russland einen weiteren Schritt in Richtung offener Diktatur tut - doch das ist höchstens ein Teil der Wahrheit. Das von Präsident Putin geschaffene System beruht - im Gegensatz zu den Versprechen, mit denen er vor acht Jahren angetreten ist - nicht auf der "Diktatur des Gesetzes", sondern auf bedingungsloser Loyalität. Die muss der Kreml nun auch jenen bezeugen, die ihm ihre Loyalität mit grotesken Wahlergebnissen bekunden.
(FAZ vom 26.1.08, Seite 10)