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Metropole und Dschungel zugleich

In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau spricht der ARD-Korrespondent Albrecht Reinhardt über die Bedingungen für kritische berichterstattung in Moskau. Unter den in der Putin-Zeit eintretenden Verschlechterungen leiden vor allem die russischen Journalisten wie Grigori Pasko, der wegen kritischer Berichterstattung inhaftiert wurde.


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Von Anfang der neunziger Jahre haben Sie zum ersten Mal aus Moskau berichtet, ab 2002 dann als ständiger Korrespondent der ARD. Inwiefern haben sich die Arbeitsbedingungen im Laufe der Zeit verändert?

1990 existierte noch die UdSSR, wenn auch unter Gorbatschow und mit aufgeweichten Regeln. Bestimmte Städte und Landstriche, in denen das so genannte Regime der Grenztruppen herrschte, waren für Ausländer verboten. Das gab es 2002, als ich wieder nach Russland kam, praktisch kaum noch. Es war eine relativ offene Berichterstattung möglich, auch noch während der spektakulären Geiselnahme in in dem Musical-Theater von Moskau im Herbst 2002, bei der auf Seiten der Sicherheitskräfte eher chaotisch-anarchische Zustände herrschten. Danach begannen die Einschüchterungsversuche.


2004 folgte in Beslan das nächste große Geiseldrama - mit welchen langfristigen Folgen?

Zum einen hat man die Vorkommnisse als Vorwand genommen, um Veränderungen im Staatsgefüge durchzuführen. Zum anderen hat sich auch für uns Journalisten in den folgenden Putin-Jahren einiges verändert. Natürlich betrifft das in erster Linie unsere russischen Kollegen, zum Beispiel Grigorij Pasko, einer der Protagonisten unser Doku "Auf der Transsib". Der hat wegen kritischer Berichterstattung in Haft gesessen. Aber: Mittlerweile gibt es auch wieder mehr geschlossene Städte, die einfach zu Grenzgebiet erklärt werden und für Ausländer nur mit Sondergenehmigung zugänglich sind.


Welche Städte sind verboten?

Norilsk beispielsweise, die so genannte Nickel-Stadt in Sibirien. Und im Fernen Osten Komsomolsk, eine weitere Hafen- und Militärstadt.


Wie hat sich - sowohl in den Printmedien als auch im Fernsehen - die Russland-Berichterstattung generell entwickelt?

Im Augenblick gibt es eine positive Wendung. In der jüngeren Vergangenheit hatten sich die Möglichkeiten, im deutschen Fernsehen über russische Innenpolitik zu berichten, rapide verschlechtert. Eine Ursache sehe ich in der Politik der ehemaligen Bundesregierung, insbesondere in der Politik Gerhard Schröders, der ja Russland zur Chefsache gemacht und immer erklärt hat, unter Putin sei das Land auf einem guten Wege. Das hat sich auch bis in die Redaktionen ausgewirkt. Mittlerweile hat ein Umdenken stattgefunden, viel-leicht auch wegen des Mordes an Anna Politkowskaja. Die Haltung der jetzigen Bundesregierung ist jedenfalls viel kritischer als die der vorigen. Solche Positionen beeinflussen nicht den Redaktionsalltag in jeder Einzelheit, aber sie schaffen ein bestimmtes Klima.


Sie haben auch Korrespondentenerfahrung in Afrika gesammelt, von 1992 bis 1994 aus dem Studio Nairobi berichtet. Hat sich die Afrika-Berichterstattung Ihrem Eindruck nach verändert?

Afrika ist nach wie vor ein Kontinent, der in unserem Medium, aber auch in den Zeitungen eher unterbelichtet ist. Das sieht man auch an daran, dass seit meiner Zeit die Zahl der Korrespondenten gleich geblieben ist.


Für wie viele Länder waren Sie damals zuständig?

40, glaube ich. Gemeinsam mit einem Kollegen. Davon habe ich 14 bis 16 Länder besucht.


Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Ihren beiden Korrespondentengebieten?

Es wird ja immer gern gesagt, Afrika sei der Dschungel. So gesehen ist Moskau Metropole und Dschungel gleichzeitig.


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