Grigory Pasko: Ein Fußabtreter für seinen Herrn

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Ein Fußabtreter für seinen Herrn…

Von Grigory Pasko, Journalist

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Salawat Karimow, Chefermittler für besonders wichtige Fälle der Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation, der in zwei Strafverfahren gegen Michail Chodorkowski die Ermittlungen leitete, hat seinen Rückzug angekündigt. Die einfache Erklärung lautet, dass er gebeten wurde, die Akten der Fälle Chodorkowski und Lebedew abzugeben und sein Büro zu räumen. Alexander Bastrykin, der Vorsitzende der Untersuchungskommission, die der Generalstaatsanwaltschaft der RF zugeteilt wurde, wollte Karimow nicht in seiner Behörde beschäftigen, und als der Generalstaatsanwalt Juri Tschaika Karimow als Trostpflaster eine Beraterstelle anbot, lehnte dieser ab – dies sei seiner Erfahrung nicht angemessen.

Die gefällte Entscheidung kommentierte er seinen Kollegen gegenüber so: „Nachdem sie ihre Füße an mir abgewischt haben, glauben sie immer noch, dass ich bleiben würde…“

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Salawat Karimow

Bekanntermaßen hat sich niemand anders als Karimow die Anklageformel gegen Chodorkowski und Lebedew ausgedacht, der zufolge sie im Grunde das ganze Öl, das die Tochterunternehmen „Yuganskneftegas“, „Samaraneftegas“ und „Tomskneft VNK“ zwischen 1998 und 2004 produzierten, gestohlen und den Großteil der Einkünfte aus diesem Diebstahl über ausländische Steueroasen legalisiert hätten. Die Anwälte der Angeklagten Chodorkowski und Lebedew haben diese Theorie der Staatsanwaltschaft mittlerweile für wahnhaft erklärt.

Dennoch weigern sich die Anwälte, den Grund für Karimows Rückzug zu kommentieren. Anscheinend hält die Berufsethik sie in diesem Fall davon ab.

In meinem Fall zwingt mich jedoch gerade die Berufsethik, meine Meinung über Karimow und Leute wie ihn zu äußern.

Meiner Ansicht nach macht Karimow nicht den Eindruck eines kompletten Idioten. Selbst wenn er sich in seiner Anklage ein so bahnbrechendes Beispiel an Jurisprudenz wie den Diebstahl der gesamten Ölerzeugung ausgedacht hat. Umso mehr ist es ein Jammer, dass jemand wie er, obwohl ein vernunftbegabtes Wesen, nicht in der Lage war vorherzusehen, dass er für andere zum Fußabtreter werden würde. Eigentlich haben sie ihre Füße an jedem abgewischt. Sie wie ein bestimmtes Gummiprodukt benutzt und dann weggeworfen. Allmächtiger, wie viele solche Fälle hat es in der russischen Geschichte schon gegeben!

Dafür braucht man in der Geschichte noch nicht einmal tief zu graben. Ich erinnere mich an „meinen“ Fall. Die Ermittlerbrigade bestand aus 24 Personen – Verwaltungsangestellten des FSB für Primorsky Kray und die Pazifikflotte. Nach Abschluss des ersten Verfahrens gegen den „Spion Pasko“ wurde fast jeder von ihnen ausgezeichnet, belobigt und befördert. Aber nach dem zweiten Prozess wurden fast alle von ihnen versetzt, manche sogar ganz aus dem Dienst entlassen. Sie waren für andere zum Fußabtreter geworden. Man hatte sie wie diese Gummiwaren benutzt und einfach fallengelassen.

Zwar erhielt der Leiter der Ermittlungsbrigade einen netten, ruhigen Posten in Moskau. Aber nach ein paar Jahren wickelten sie diesen Posten ab. Wo dieser „Spionfänger“ heute ist, interessiert niemanden, so wie der Mann selbst niemanden interessiert. Weil er nur … ein Gummiprodukt ist.

Ich glaube, dass sich auch an Karimows Namen in ein paar Jahren niemand mehr erinnert. Gummierzeugnisse haben keinen Namen. Nur Spitznamen oder Nummern – höchstens.

Aber das scheint die Karimows dieser Welt nicht zu beunruhigen. Vor allem nicht in den Momenten, in denen sie jenen, die sie benutzen, so inbrünstig und hingebungsvoll zu Diensten sind.

Also warum sind sie dann später beleidigt! Wenn man sich bewusst an ungesetzlichen Machenschaften beteiligt, muss man mit der Möglichkeit rechnen, selbst so behandelt zu werden. Und wenn man dann nicht ruhig in die Nacht entschwindet, sondern das Jammern anfängt, verschwindet man vielleicht einfach. Sie werden sagen: Da gab es nie jemanden, du hast ihn dir nur eingebildet.

Übrigens: Seit wann ist es Gummiartikeln erlaubt, sich zu beschweren? Sie sind nicht zum Jammern da, sondern nur dafür, benutzt und fallengelassen zu werden. Wie Karimow, zum Beispiel…


Lesen Sie auch das Interview mit Grigory Pasko das er im Juli der Internetplattform www.planet-interview gegeben hat.

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