Der französische Präsident Nicolas Sarkozy warf Russland bei einem Treffen mit französischen Botschaftern vor, seine Naturressourcen als Machtinstrument zu verwenden: „Russland kehrt auf die Weltbühne zurück und spielt mit einiger Brutalität seine Trümpfe aus, darunter Öl und Gas." Russland widerspricht dieser Darstellung sei langem. Bei einer Pressekonferenz im Kreml im Februar sagte der russische Präsident Wladimir Putin: „Uns wird immer wieder die These aufgedrängt, dass Russland seine ökonomischen Hebel für das Erreichen außenpolitischer Ziele verwendet. Dem ist nicht so.“ Doch wie sind die Pläne zur Gründung eines neuen staatlichen Großkonzerns dann zu verstehen?

Die russische Regierung erwägt offenbar die Bildung einer staatlichen Erdölgesellschaft, die größer wäre als Exxon-Mobil, Royal Dutch Shell und BP. Der Moskauer Tageszeitung RBC Daily zufolge ist die Vereinigung der Ölgesellschaften Surgutneftegaz, Rosneft, Zarubezhneft und Russneft geplant. Dazu könnten noch die Erdölaktiva der Wolgarepublik Baschkortostan kommen.
Beobachter mutmaßen, die Megafusion könnte bis zu den Präsidentschaftswahlen im März 2008 vollendet sein. Der Gigant würde rund 40 Prozent des Öls in Russland, mithin etwa 200 Mio. Tonnen pro Jahr, produzieren. "Der Kreml will auf der Basis von Rosneft eine Art 'Gazprom' im Ölgeschäft formen", kommentierte das Blatt gazeta.ru. Der staatlich kontrollierte Konzern, der seine wichtigsten Förderaktiva aus der Konkursmasse der Ölgesellschaft Yukos erhielt, ist mit 100 Mio. Tonnen Ölproduktion und einem Börsenwert von 85 Mrd. Dollar die Nummer eins in Russland.
(Die Welt vom 28.8.07, Seite 12)