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Die neue Energie-Weltordnung

Florian Hassel schreibt heute in der Frankfurter Rundschau: Der Kreml nutzt Europas Energiehunger für seine Außenpolitik – die Staaten des Alten Kontinents könnten in noch stärkere Abhängigkeit von Russland geraten. Und es scheint nicht mehr nur um Gas- und Ölexporte zu gehen. Der Kreml versucht nun parallel den Balkan-Staaten Atomstrom "Made in Russia" zu verkaufen.

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Der Kreml setzt die wichtigste außenpolitische Waffe konsequent ein. Das neueste Vorhaben: eine 900 Kilometer lange Pipeline. Das Projekt soll "South Stream" heißen. Fest steht schon, wo die Rohrleitung beginnen wird. In der südrussischen Hafenstadt Noworossisk. Auf dem Grund des Schwarzen Meeres soll sie bis zur bulgarischen Hafenstadt Burgas führen. Die Russen haben auch schon einen Partner gewonnen: den italienischen Energiekonzern Eni. Die ebenfalls italienische Gesellschaft Saipem soll eine Machbarkeitsstudie für South Stream erstellen.

Die Frage ist, wie es von Burgas aus weitergeht: nach Süden in Richtung Griechenland und weiter durch die Adria nach Italien? Am Montag jedenfalls vereinbarten der russische Präsident Wladimir Putin und Griechenlands Regierungschef Kostas Karamanlis am Rand des Schwarzmeer-Gipfels in Istanbul eine Beteiligung Griechenlands an dem Projekt.

Oder soll es doch besser die nordwestliche Variante sein: durch Bulgarien nach Westen und weiter durch Serbien nach Österreich - entweder via Ungarn oder über Kroatien und Slowenien?
Wie auch immer. Fest steht dass der Kreml "die neue Energie-Weltordnung auf Russisch" ausbauen will, schreibt die die Tageszeitung Gaseta. Das South-Stream-Projekt soll der geplanten Ostsee-Pipeline eine zusätzliche wichtige Exportroute für Gazprom werden und die Dominanz der Russen auf dem europäischen Energiemarkt stärken.

Doch mehr noch als EU-Staaten hängen Länder in Süd- und Zentraleuropa, die früher zum Ostblock gehörten, von Öl und Gas aus Russland ab. Und während europäische Konkurrenz-Projekte für Gaspipelines in Europa wie die von der EU befürwortete Nabucco-Verbindung nicht recht vorankommen, beschränken sich die Russen nicht aufs Gas.

Strom für den Balkan

Schon will die russische Atomindustrie nach Bulgarien zurückkehren, möchte Putin den Balkan-Ländern auch Strom "Made in Russia" verkaufen, hat der staatsnahe Ölkonzern Lukoil auf dem Balkan nach Schätzungen eines Putin-Vertrauten 1,5 Milliarden Dollar investiert. Selbst in der lange nach Westen strebenden Ukraine könnten die Geschäfte bald wieder besser im Sinne des Kreml laufen. Der moskaufreundliche Premierminister Wiktor Janukowitsch will eine Einigung über den Weiterbau einer neuen Gaspipeline, die ebenfalls mehr russisches Gas nach Europa bringen soll.

Auf eigenem Boden fällt dem Konzern dies ohnehin leicht. Das russisch-britische Unternehmen TNK-BP muss hingegen seine Kontrolle über knapp zwei Drittel des Kowytka-Gasfeldes in Kürze abgeben, einem der größten Erdgasvorkommen der Welt nördlich des Baikal-Sees. Innerhalb von 90 Tagen hat das das Unternehmen seine Anteile an Gazprom zu überschreiben.

Dafür wird Gazprom höchstens 900 Millionen Dollar zahlen - für die Kontrolle über ein Feld, dessen Wert nach seiner Erschließung auf 18 bis 30 Milliarden Dollar geschätzt wird.

Der Kremlkonzern verfügte über eine unschlagbare Verhandlungsposition: Hätte TNK-BP die Kontrolle nicht abgegeben, hätte das russische Rohstoffministerium der Firma einfach die Lizenz entzogen.

Die "Manipulation der Preise im Öl- und Gassektor" mit Hilfe echter oder erfundener Vorwürfe durch Staatsorgane gehöre in Russland nun "zum Standardrepertoire bei der Umverteilung von Eigentum", kritisierte die russische Wirtschaftszeitung Wedomosti.

Als nächstes, da sind sich Analysten einig, wolle Gazprom die Herrschaft über den Rest von TNK-BP übernehmen.


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Lesen Sie heirzu auch den Artikel "Trauerspiel Nabucco" über den zähen Versuch der Europäer, sich unabhängiger vom russischen Energieimport zu machen.
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