Ein Kommentar von Dietrich Alexander in der Welt:
Im Russland des Wladimir Putin gibt es keine Zufälle. Und so ist es als ein deutliches Signal zu werten, dass ausgerechnet eine Woche vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm zwei russische Hightech-Raketen punktgenau ihr Testziel erreichen, eine davon nach einer zurückgelegten Strecke von 6500 Kilometern.
Bejubelt vom russischen Militärstab, der Machtelite und einer Bevölkerung, die sich immer mehr in dem Glauben daran gefällt, Bürger einer Weltmacht zu sein. Die martialische Machtdemonstration des Kremlherrn ist gerichtet gegen die US-Pläne, ein Raketenabwehrsystem in Polen und Tschechien zu installieren. Russland könne sich nunmehr sicher fühlen, meinte süffisant der Erste Stellvertretende Ministerpräsident und mögliche Putin-Nachfolger Sergej Iwanow.
Die Russen konnten sich auch vorher sicher fühlen, niemand kann oder will sie angreifen. Aber darum geht es gar nicht. Der durchweg defensive USRaketenschirm ist keinerlei Bedrohung für Moskau, was dort sehr wohl erkannt wird. Er verletzt allenfalls die Eitelkeit der Ex-Weltmacht, die nicht zuletzt mit ihren fossilen Waffen wieder auf dem Weg ist, zu alter Stärke zurückzufinden.
Noch befinden wir uns nicht in einem neuen Kalten Krieg, aber Russland lässt es offenbar darauf ankommen, in die dunklen Jahrzehnte gegenseitigen Misstrauens und abschreckender Atomarsenale zurückzufallen. Russland will offenbar um jeden Preis die weitere Erosion seiner ehemaligen Einflussgebiete verhindern. Die beiden erfolgreich getesteten Raketen sind Ausrufungszeichen, dass Moskau Demütigungen gleich welcher Art nicht hinzunehmen gewillt ist - nicht in Polen, Tschechien, Lettland oder sonst wo. Für das G-8-Treffen unter deutscher EU-Ratspräsidentschaft verheißt das nichts Gutes.
(Die Welt vom 31.5.07, Seite 14)
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