Heute in der Financial Times Deutschland: Altkanzler fordert Öffnung der Energiebranche

Gerhard Schröder: "Russland reicht uns die Hand zur Kooperation, und wir sollten sie ergreifen."
Altkanzler Gerhard Schröder hat vor einer Abschottung des deutschen Energiemarkts nach Osten gewarnt. "Wir dürfen uns nicht vor russischen Investitionen verschließen", sagte Schröder in seiner Funktion als Aufsichtsratschef der nordeuropäischen Gaspipeline-Gesellschaft, die die Gesamtverantwortung für den Bau der geplanten Ostseepipeline trägt. Russland habe sich in der Vergangenheit als verlässlicher Partner erwiesen, und er gehe davon aus, dass dies so bleibe, sagte Schröder auf der Hannover Messe. "Russland reicht uns die Hand zur Kooperation, und wir sollten sie ergreifen."
Seit dem Regierungswechsel in Berlin setzt sich der frühere Kanzler verstärkt für eine Annäherung zwischen der europäischen Energiewirtschaft und Russland ein. Der russische Staatskonzern Gasprom hält 51 Prozent an der Ostseepipeline-Gesellschaft, die deutschen Unternehmen Eon und BASF sind mit jeweils 24,5 Prozent beteiligt.
Mit seinem Vorhaben, auf westliche Märkte vorzudringen, löst Gasprom in Europa seit einiger Zeit Besorgnis aus. Meldungen, wonach die Russen einen Einstieg oder gar eine Übernahme bei deutschen Energiekonzernen prüfen, hatten die Branche und die Politik verschreckt. Kritisiert wird vor allem der starke Einfluss der russischen Regierung auf den Konzern. Gasprom-Chef Alexej Miller verfolgt das Ziel, die komplette Wertschöpfungskette von den sibirischen Gasquellen bis zu den europäischen Endkunden abzudecken.
Kritikern, die an der langfristigen Liefertreue der Russen zweifeln, trat Schröder offensiv entgegen: Alternativ seien Energielieferungen aus Afrika oder dem Mittleren Osten denkbar, räumte er ein. "Das wäre aber sicher nicht verlässlicher als Importe aus Russland."
Gasprom hat gerade angekündigt, gemeinsam mit dem Luxemburger Versorger Soteg ein eigenes Kraftwerk in Brandenburg zu bauen und damit erstmals in die europäische Stromerzeugung einzusteigen. Gasprom wertete das Projekt in Eisenhüttenstadt als "einen Schritt auf dem Weg zum bedeutenden Energiehändler auf den liberalisierten Märkten in der EU". Das Kraftwerk soll 2010 in Betrieb genommen werden.
(Financial Times Deutschland vom 17.4.07, Seite 8)