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Nützliche Idioten

Ein Kommentar von Olaf Preuß auf der Homepage der Financial Times Deutschland:

Eni und Enel gewinnen die zweite Zwangsversteigerung von Yukos-Anteilen in Moskau. Sie machen sich damit zum Teil einer üblen Farce. Deren Gewinner ist der Staatsmonopolist Gasprom.

Überraschend haben die italienischen Energiekonzerne Eni und Enel die Zwangsversteigerung am Mittwoch von Yukos-Vermögenswerten in Moskau gewonnen. Oder vielleicht doch nicht ganz überraschend?

Das russische Gemeinschaftsunternehmen Enineftegaz (60 Prozent Eni, 40 Prozent Enel) zahlt rund 5,6 Mrd. $. Dafür bekommen die Italiener zwei Gasförderbetriebe aus dem Portfolio des bankrotten Yukos-Konzerns, außerdem ein Aktienpaket von 20 Prozent an Gaspromneft, der Ölfördertochter des staatlichen Energiekonzerns Gasprom.

Zumindest theoretisch bekommen die Italiener all das. Wie das Geschäft praktisch abgewickelt wird, machte direkt nach der Auktion der stellvertretende Gasprom-Chef Alexander Medwedew klar: Gasprom werde mindestens 51 Prozent der Anteile an den beiden Gasförderbetrieben übernehmen. Zudem werde Gasprom eine "Calloption" für die 20 Prozent an seiner Ölfördertochter ausüben und die Anteile von den Italienern kaufen. Gaspromneft ist der frühere Sibneft-Konzern des Milliardärs Roman Abramowitsch, den Gasprom 2005 übernommen hatte.

Warum um Himmels willen nehmen Eni und Enel an einer ohnehin anrüchigen Zwangsversteigerung russischer Machart teil, wenn sie die ersteigerten Anteile direkt danach ganz oder teilweise weiterreichen? Erst in der vergangenen Woche war der russisch-britische Energiekonzern TNK-BP bei einer anderen Yukos-Zwangsversteigerung gegen den Staatskonzern Rosneft angetreten - offenbar nur pro forma, denn sonst hätte die Auktion auch den letzten Anschein einer Rechtmäßigkeit verloren, die diese Veranstaltungen sowieso nicht haben.

Der russische Bär ist hungrig und bereit zu beißen

Im Fall von Eni und Enel reicht die Vorgeschichte vermutlich bis ins vergangene Jahr zurück. Damals räumte Eni, der ehemals staatliche Öl- und Gasmonopolist Italiens, Gasprom nach langem Widerstand Zugang zum italienischen Markt ein. Es sieht so aus, als bestünde zwischen dieser Abmachung und der Auktion ein Zusammenhang. Gasprom ist der eigentliche Gewinner bei dieser Runde der Zwangsversteigerung. Eni und Enel bekommen ein paar Brosamen von Anteilen an russischen Gasförderunternehmen ab und können sich damit der Illusion hingeben, den Gasnachschub für Italien ein wenig sicherer gemacht zu haben.

Die Zerschlagung von Yukos durch russische Behörden und die Politik ist eine Farce und ein schmutziges Geschäft, ebenso schmutzig, wie es der Aufbau der russischen Oligarchen-Imperien in den 90-er Jahren war, die sich der russische Staat nun zurückholt. Wer - wie Eni und Enel - an diesem Prozedere teilnimmt, als willfähriges Feigenblatt, als Krisengewinnler oder wie auch immer, der macht sich die Hände schmutzig. Und wie lange wird die Freude an dem neuen russischen Besitz währen? Wer weiß. Der russische Bär ist hungrig und bereit zu beißen - jeden und jederzeit.

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