Putins Russland erreicht Sowjetniveau

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Nach Informationen der Financial Times Deutschland sind Russlands Wirtschaftsleistungen wieder so stark wie 1990

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Russland wird nach Aussage von Ökonomen dieses Jahr den Wachstumseinbruch nach dem Ende des Kommunismus überwinden. "Dieses Jahr wird Russland endlich wieder das Niveau des Bruttoinlandsprodukts von 1990 erreichen", sagte Rory MacFarquhar, Ökonom bei Goldman Sachs. Er geht von 1186 Mrd. $ aus. Bis zu den Wahlen zum Parlament im Dezember und der des Präsidenten im März 2008 kann sich die Regierung von Wladimir Putin damit auf ein robustes Wachstum stützen, um ihre Vorwahlgeschenke zu finanzieren.

Nach Jahren ausgebliebener Investitionen in der Öl- und Gasförderung stehe das Land aber vor neuen Herausforderungen, so MacFarquhar. Bei sinkenden Ölpreisen muss sich der weltgrößte Ölexporteur auch auf einen schrumpfenden Handelsüberschuss einstellen. Zudem schwinden die Vorteile des schwachen Rubels, heißt es bei Goldman Sachs.

Derzeit senkt die Regierung wegen der sinkenden Ölpreise ihre Erwartungen: Sie stellt sich auf ein langsameres Wachstum und einen abnehmenden Budgetüberschuss ein. "Russland betritt mit den sinkenden Öl- und Gaseinkommen die Risikozone", sagte gestern Finanzminister Alexej Kudrin bei der Vorstellung des Budgetplans. Bis 2010 werde der Rekordhaushaltsüberschuss aus dem vergangenen Jahr - 7,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) - fast vollständig abgebaut sein, sagte er. Ökonomen verweisen zudem auf Regierungspläne, die Ausgaben für Soziales und Staatbedienstete vor den Wahlen drastisch zu erhöhen.

Nach einem BIP-Anstieg von nach oben revidierten 6,8 Prozent im vergangenen Jahr erwartet jetzt die Regierung für 2007 ein Plus von 6,2 Prozent. Das liegt ungefähr in der Mitte dessen, was Volkswirte erwarten. So rechnen die Goldman- Sachs-Ökonomen mit sieben Prozent. Verhaltener prognostizieren die Experten am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) 5,4 Prozent.

Die russische Wirtschaftskraft war 2006 erneut von der privaten Konsumnachfrage getrieben. Sie nahm 2006 um elf Prozent zu und machte nach Angaben des WIIW bereits die Hälfte des BIP aus. Für ein Fünftel des BIP stehen die Investitionen, die um 13 Prozent zulegten und vor allem in die Bauwirtschaft flossen. Größtenteils griffen Verbraucher und Unternehmen dabei auf Einfuhren zurück. "Das wurde auch durch die Aufwertung des Rubels begünstigt", sagte Peter Havlik vom WIIW. Eine erstarkende Währung macht ausländische Güter günstiger im Vergleich zu einheimischen Gütern. Gleichzeitig stiegen die Produktionskosten. Nach WIIWBerechnungen nahmen in den vergangenen fünf Jahren die Lohnstückkosten im Schnitt jährlich um 25 Prozent zu.

Doch auch die Ausfuhren stiegen 2006, wenn auch mit drei Prozent deutlich langsamer als die Einfuhren mit 30 Prozent. Da die Preise für russisches Uralöl im Schnitt des Vorjahres noch 21 Prozent über dem Niveau von 2005 lagen, flossen die Einnahmen aus den Energieexporten reichlich - sie machen gut zwei Drittel des Gesamtexports aus und übertreffen die Importe bei Weitem. Der Überschuss in der Handelsbilanz lag 2006 bei 15 Prozent und in der Leistungsbilanz bei zehn Prozent des BIP.

Die hohen Ölpreise der vergangenen Jahre überdeckten die ausgebliebenen Investitionen. "Der Anstieg der Erlöse aus den Öl- und Gasexporten kam allein aus gestiegenen Preisen", heißt es bei Cominvest. Die Produktion sei dagegen nahezu konstant geblieben. Dringend sollte deswegen in der Erschließung neuer Öl- und Gasvorkommen investiert werden.

"Russland steht vor einer Investitionskrise, vor allem beim Gas", sagte Wladimir Milow, Leiter des Moskauer Instituts für Energiepolitik. Der frühere Vize-Energieminister warnt seit Langem vor einem drohenden Defizit bei der Gasförderung, das mittlerweile auch in der Regierung durchaus ernst genommen wird. Nach Ansicht internationaler Beobachter könnte es bereits im Jahr 2010 zu einer Versorgungslücke kommen, da der staatlich kontrollierte Energiekonzern Gasprom die Gasförderung vernachlässigt. "In den vergangenen Jahren hat Gasprom zu wenig investiert", heißt es in einer aktuellen Analyse der US-Fachzeitschrift "Energy Tribune". "Zudem verfügt es nicht über die Technologie, um neue Gasfelder zu erschließen und die zu ersetzen, die derzeit rasch zur Neige gehen."

Dass ausländische Unternehmen diese Lücke schließen könnten, erscheint derzeit eher unwahrscheinlich. Erst im vergangenen Jahr musste etwa Royal Dutch Shell unter Druck des Staates die Kontrolle über das Flüssiggasprojekt Sachalin II abgeben.

(Financial Times Deutschland vom 22.3.07, Seite 16)

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