Panzer-Protzparade auf dem Roten Platz
Zu den Siegesfeiern über Nazi-Deutschland bietet Russland zum ersten Mal seit 17 Jahren wieder eine Parade mit schwerer Kriegstechnik auf. Angesichts der angespannten Beziehungen weckt die Parade bei den Staaten Osteuropas vor allem eines: Angst. Im Westen dagegen hat man für die Waffenschau nur Hohn übrig - schließlich werden nicht die neusten Waffensystem präsentiert, sondern veraltete Jagdbomber.

Schon in den Tagen vor der Parade bot sich ein eigenartiges Bild in Moskau: Panzer rollten über die breite Straße, die zum Roten Platz führt, und über die Büros im Herzen der russischen Hauptstadt donnerten Kampfflugzeuge. Für westliche Beobachter wirkte die Szene anachronistisch. Wären da nicht Hunderte von Leuchtreklamen und Luxusboutiquen, hätte sie in der Sowjetunion des Jahres 1990 spielen können.
Damals fand die letzte Parade mit schwerer Kriegstechnik statt – vor 17 Jahren.
Damals war Moskau grau und die Sowjetunion bankrott.


Eckart von Klaeden ist der Überzeugung, dass sich am Schicksal Michail Chodorkowskis zeigen wird, in welche Richtung sich Russland in den nächsten Jahren entwickeln wird. Eine Freilassung Chodorkowskis, wie im März von Putin angedeutet, könnte Russland auf den Weg der Rechtsstaatlichkeit zurückbringen.
Russlands Beamte haben ein Problem. Was tun mit dem Porträt des alten Präsidenten, was mit dem des neuen Präsidenten Dmitrij Medwedjew? Ist man weiterhin nur Diener des Kreml? Dann müsste man in seiner Amtsstube Putin ab- und nur Medwedjew aufhängen. Oder gilt, zum ersten Mal in der russischen Geschichte, die Teilung der Macht? Kommt also Medwedjews Porträt zu dem von Putin? Doch wohin genau? An die Seite Putins, unter oder doch über ihn?


